Stark: Fräulein Else

Gewalt gegen Frauen finden wir weiterhin sehr verbreitet in Deutschland – in der Welt. Männer schauen Frauen sexistisch an. Männer berühren Frauen ohne ihr Einverständnis. Männer sehen sich selbst oft als überlegen an. Else erlebt dies genauso im Stück. Das Theaterstück „Fräulein Else“ basiert auf der impressionistischen Novelle des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler aus dem Jahre 1924.

Die jungen SchauspielerInnen der Carl-Friedrich-Gauß-Schule aus Hemmingen nahmen sich beherzt des Stückes an. Sie lernten, auf sich selbst neu zu schauen und wollten andere daran teilhaben lassen. Unter der professionellen Leitung der Kollegin Beatrice Franke zauberten sie ein zeitloses Stück über Macht und Konventionen vor den schwarzen Vorhang des Theaters.

Am Dienstag, dem 23. Juni 2026, versammelten sich Eltern, Freunde, Bekannte und Lehrkräfte, um sich von der Seelenpein der 19-jährigen Else gefangen nehmen zu lassen. Else kämpft mit den Ansprüchen der Eltern und ihren eigenen Bedürfnissen nach Liebe. Gleichzeitig stellt sie sich den Zuneigungen und den Abneigungen ihrer Mitmenschen.

Den SchülerInnen ist wichtig, dass die Übergriffigkeit gegenüber Frauen thematisiert wird. Sie fühlen mit Else. So findet Julika, dass wir „Frauen uns leer fühlen“ nach einer Übergriffigkeit. Und Oskar fügt hinzu, dass „Männer in seinem Alter oft Sachen über Frauen sagen, von denen sie nicht wissen, dass das nicht richtig ist“.

Im Stück versucht Else ihren Eltern zu gehorchen, und sie soll 50.000 Gulden vom Kunsthändler Dorsday erwirken. Der 50-jährige Dorsday verlangt als Gegenleistung Ungeheuerliches: Er will Else nackt sehen. Else ist gefangen zwischen den Ansprüchen ihrer Familie – ihr Vater muss wegen Schulden ins Gefängnis, wenn er diese nicht begleichen kann – und ihrem Ekel gegenüber Dorsday.

Else redet schneller, wirrer und nimmt ein Schlafmittel, um nach der „Nacktszene“ ihre vermeintliche „Schuld“ zu tilgen. Das Ende bleibt offen. Wir bleiben zurück – nachdenklich und gestärkt. Gestärkt, weil uns bewusst geworden ist, dass wir Menschen mit Respekt behandeln müssen. Und manchmal muss ein Theaterstück die Aufgabe erfüllen, um genau dies ins Gedächtnis zu rufen: Sei ein Mensch.

TRA

Erstellt: 28.06.2026 | Kategorie(n): Aktuelles aus der Schule